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Lietuvos Centrinis Valstybės Archyvas

Das Lietuvos Centrinis Valstybės Archyvas (Zentrales Litauisches Staatsarchiv) wird für das MIDAS-Projekt Bestandsdaten zu 1.000 Filmen aus der Sammlung „Soviet Lithuania“ online verfügbar machen. Die vollständige Sammlung besteht aus über 1.500 Wochenschauen, die zwischen 1941 und 1988 von Lithuanian Film Studios produziert wurden. Die Auswahl für filmarchives online umfasst die bis 1971 entstandenen Titel.

Die Lithuanian Film Studios wurde im Zuge der Nationalisierung der unabhängigen Filmwirtschaft Litauens 1940 in Kaunas als Lithuanian Film Chronicle Studios gegründet. Unter starkem sowjetischem Einfluss wurden rasch Wochenschauen für das litauische Publikum produziert. Dazu wurden sowjetische Filmemacher ins Land geholt, doch auch einheimische Filmschaffende wie S. Uzdonas, S. Vainalavičius oder V. Starošas begannen im Zuge dieser Aktivitäten ihre Karrieren. Durch die deutsche Besatzung wurde die filmgeschichtliche Entwicklung in Litauen zunächst abgebrochen. Die Situation verbesserte sich kontinuierlich, nachdem die sowjetischen Machthaber die Kontrolle wieder übernommen hatten. So konnten dem Publikum 1946 erstmals simultan aufgenommene Stimmen präsentiert werden. 1949 wurden die Studios nach Vilnius verlegt, von wo aus rüber mehr als ein halbes Jahrhundert regelmäßig die Wochenschau „Sovjet Lithuania“ produziert wurde. Bekannte litauische Filmemacher wie R. Verba, P. Abukevičius, Z. Putilovas, A. Baronas, A. Tarvydas oder G. Skvarnavičius waren daran beteiligt. Nach der Unabhängigkeit 1990 wurde die Wochenschau „Lithuanian Chronicle“ produziert; 2004 wurden die Studios privatisiert.

Im beschriebenen Zeitraum wurden jährlich rund 40 Filmkopien im 35mm-Format an die litauischen Kinos geliefert. Die schwarz-weißen Wochenschauen wurden üblicherweise im Vorprogramm jeder Filmvorführung gezeigt. Sie dauerten etwa 10 Minuten, hatten einen Kommentar in litauischer Sprache und umfassten jeweils 5 bis 6 Nachrichten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Die Zahl der Kinos stieg zwischen 1949 und 1957 von 220 auf 586 rasant an. Die Zahl der Zuschauer/innen entwickelte sich im selben Zeitraum von 8,7 Millionen zu 23,7 Millionen ähnlich spektakulär – bei einer Einwohnerzahl von 3 Millionen Menschen in Litauen. Vor diesem Hintergrund sind die Wochenschauen mehr als eine bloße filmische Chronik: Sie sind eine außergewöhnliche Quelle der Geschichte Litauens im 20. Jahrhundert und haben die Lebenswirklichkeit mehrerer Generationen kulturell und sozial geprägt hat. Jeder Spielfilm, der in der Vergangenheit in einem litauischen Kino gezeigt wurde, muss im Zusammenhang mit den zuvor gezeigten Wochenschauen verstanden werden.

Der älteste Titel der Sammlung, die heute vollständig im Lietuvos Centrinis Valstybės Archyvas vorhanden ist, wurde 1941 produziert und dem Archiv 1998 vom deutschen Bundesarchiv zurückgegeben. Er ist auch der einzige, der vor dem Krieg entstanden ist. Zu allen Titeln sind Vorführkopien vorhanden, die im Falle älterer Titel auf schwer entflammbaren Sicherheitsfilm kopiert wurden. Die systematische Digitalisierung des Bestands hat noch nicht begonnen, da eigens Gerätschaften dazu angeschafft werden müssen. Das Erstellen von Screenshots ist allerdings auf Anfrage möglich.

Da bislang keine Bestandsinformationen des Archivs öffentlich zugänglich sind, ist filmarchives online die erste und einzige Plattform, die einen weltweiten Zugang zum litauischen Filmerbe schafft. Nach und nach sollen der Datenbank die Informationen über die komplette „Soviet Lithuania“-Sammlung hinzugefügt werden.

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